glossar
Direkte Spülbohrung (Direct Circulation / Direktspülverfahren)
Das direkte Spülbohren ist ein Spülbohrverfahren mit direkter Zirkulation, bei dem die Bohrspülung durch das Bohrgestänge zum Bohrlochgrund gepumpt wird. Am Bohrlochtiefsten nimmt die Spülung das Bohrklein auf und transportiert das Spülungs Bohrgut Gemisch anschließend im Ringraum zwischen Gestänge und Bohrlochwand zur Oberfläche (Ringraumaufstieg). An der Oberfläche wird das Bohrgut im Spülkreislauf separiert (z. B. über Absetzbecken/Entsandungsstufen), und die Spülflüssigkeit kann je nach Aufbereitung wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Eingesetzt wird das Direktspülverfahren häufig im Brunnenbau und bei Bohrungen in Lockergestein, bei denen ein kontinuierlicher Austrag und eine stabile Bohrlochreinigung über definierte Strömungsverhältnisse (Aufstiegsgeschwindigkeit, Viskosität, Dichte) vorgesehen sind.
Doppelkopfbohrung (Double Head Drilling / verrohrtes Bohren)
Das Doppelkopfbohren ist ein verrohrtes Bohrverfahren mit zwei unabhängigen Drehantrieben, bei dem Innenstrang (z. B. Bohrgestänge, Schnecke oder Meißel) und Außenrohr (Verrohrung/Futterrohr) getrennt angetrieben werden können. Beim gleichzeitigen Bohren und Verrohren wird die Außenverrohrung parallel zum Innenwerkzeug abgeteuft und stützt die Bohrlochwand unmittelbar, wodurch die Bohrlochstandsicherheit während des Abteufens erhöht wird. Das Bohrgut wird innerhalb der Verrohrung gefördert (z. B. über Schneckenförderung) und an der Oberfläche aufgenommen und abgeführt. Nach Erreichen der Endteufe erfolgt der Rückbau durch abgestimmtes Ziehen von Innenwerkzeug und Verrohrung (sequenziell oder gekoppelt, abhängig vom Ausbau und Herstellkonzept). Eingesetzt wird Doppelkopfbohren u. a. bei Lockerungsbohrungen sowie bei der Herstellung von Ortbeton Bohrpfählen, wenn schwierige Bodenverhältnisse, Wasserzutritte oder geringe Standfestigkeit eine durchgängige Verrohrung zur Bohrlochstützung erfordern.
DTH Bohrung (Down the Hole / Imlochhammerbohren, Drehschlagbohren)
DTH Bohren ist ein Drehschlag Bohrverfahren, bei dem der Imlochhammer (Hammer/Schlagwerk) unmittelbar am Bohrlochgrund direkt hinter der Bohrkrone angeordnet ist. Das Bohrgestänge überträgt das Drehmoment (Rotation), während das Spül-/Antriebsmedium (typisch Druckluft) den Hammer betreibt und hochfrequente Schläge auf die Bohrkrone erzeugt; dadurch wird das Gestein am Bohrlochgrund effizient zertrümmert, und die Rotation unterstützt die Schnittarbeit (Drehschlagprinzip). Der Bohrklein Transport erfolgt über den Spülstrom entlang des Bohrlochs zur Oberfläche (Austrag/Spülung). Das Verfahren wird vor allem in Hartgestein, Festgestein und abrasiven Formationen eingesetzt und kommt – abhängig von Bohrziel, Bohrlochdurchmesser und Geräteauslegung – u. a. in Baugrunduntersuchung/Geotechnik, Brunnenbau sowie in Erkundungs- und Explorationsbohrungen (Rohstoffe, Geothermie) vor.
Endlosschneckenbohrung (CFA / Continuous Flight Auger)
Die Endlosschneckenbohrung (CFA-Verfahren, Schneckenbohrpfahl) ist ein Spezialtiefbau-Bohrverfahren zur Herstellung von Ortbeton-Bohrpfählen, bei dem eine hohlgebohrte, kontinuierlich rotierende Endlosschnecke in einem Arbeitsgang bis zur Endteufe abgeteuft wird. Der Bodenabtrag (Bohrgut) wird über die Schneckenwendeln gefördert; die mit Boden gefüllte Schnecke wirkt dabei als temporäre Bohrlochstützung (Bohrlochwandstabilisierung) und reduziert das Risiko von Wandinstabilitäten im geeigneten Lockergestein. Nach Erreichen der Zieltiefe erfolgt das Betonieren im Ziehvorgang: Über das zentrale Seelenrohr (Hohlschaft) wird Beton bzw. Zementsuspension/Mörtel mittels Betonpumpe eingebracht, während die Schnecke kontrolliert gezogen wird (Verdrängung des Bohrguts und gleichzeitige Pfahlherstellung). Je nach statischer Bemessung und Bewehrungskonzept wird der Bewehrungskorb anschließend in den Frischbeton eingestellt. Typische Einsatzfelder sind Tiefgründungen (Einzelpfähle, Pfahlgruppen), Pfahlreihen und Pfahlwände sowie Bauvorhaben mit hohem Taktbedarf und kontinuierlichem Herstellablauf.
Lufthebebohrung (Air Lift / Lufthebeverfahren, indirektes Spülbohren)
Das Lufthebebohren ist ein indirektes Spülbohrverfahren mit Förderung nach dem Mammutpumpen-Prinzip (Air Lift): Die Bohrspülung strömt im Ringraum zwischen Bohrlochwand und Gestänge zur Bohrsohle, nimmt dort das gelöste Bohrklein auf und wird anschließend über das Gestänge gefördert. Dazu wird Pressluft oberhalb des Bohrmeißels in das hohle Bohrgestänge eingeblasen, wodurch ein Dreiphasengemisch aus Luft, Spülflüssigkeit und Bohrgut entsteht. Aufgrund der reduzierten Dichte im Gestänge gegenüber der Spülung im Ringraum bildet sich eine Druckdifferenz, die das Gemisch im Gestänge nach oben steigen lässt und den kontinuierlichen Bohrguttransport zur Oberfläche ermöglicht. Das Verfahren wird insbesondere bei großdurchmessrigen Bohrungen im Brunnenbau und bei Bohrungen eingesetzt, bei denen ein stabiler Austrag über Air-Lift-Förderung und Spülkreislauf vorgesehen ist.
Rotationskernbohrung (Core Drilling / Kernbohren)
Die Rotationskernbohrung ist ein Bohrverfahren zur Gewinnung eines zylindrischen Bohrkerns (Kernprobe) für geologische und geotechnische Auswertung. Ein Kernrohrsystem wird unter Andruck rotierend abgeteuft; die Bohrkrone (häufig mit Hartmetall oder Diamantbesatz) schneidet ringförmig, sodass der Kern im Innenrohr erhalten bleibt und der Bohrfortschritt über Kernmärsche organisiert wird. Die Kernbergung erfolgt abschnittsweise entweder durch Ziehen des Bohrstrangs nach einem Kernmarsch oder durch Innenrohrbergung im Seilverfahren (Wireline/Seilkernsystem), während der Außenstrang im Bohrloch verbleibt. Je nach Ausführung wird Spülung eingesetzt, typischerweise zur Kühlung der Bohrkrone, zur Bohrlochreinigung und zum Austrag von Bohrsedimenten. Rotationskernbohrungen werden vor allem für Aufschluss-, Erkundungs- und Untersuchungsbohrungen eingesetzt, wenn eine teufenbezogene Dokumentation des Untergrunds mit hoher Probenintegrität benötigt wird.
Saugbohrung (indirektes Spülbohren)
Die Saugbohrung ist ein indirektes Spülbohrverfahren mit definiertem Förderweg über das Bohrgestänge: Die Bohrspülung (Spülflüssigkeit) wird in den Ringraum zwischen Bohrlochwand und Gestänge eingeleitet und strömt zur Bohrsohle. Dort löst das Bohrwerkzeug den Baugrund, die Spülung nimmt das Bohrklein/Bohrgut auf, und eine Saugpumpe fördert das Spülungs-Bohrgut-Gemisch durch das hohle Bohrgestänge zur Oberfläche (Absaugförderung). An der Oberfläche erfolgt die Separation (Abscheidung/Entsandung, ggf. Entschlammung) und die Entsorgung bzw. Kreislaufführung der Spülung über einen Spülkreislauf. Eingesetzt wird die Saugbohrung insbesondere im Brunnenbau sowie bei Bohrungen in Lockergestein, wenn große Bohrdurchmesser und ein kontrollierter Austrag über das Gestänge vorgesehen sind.
Schlagwerkbohrung (Schlagbohrverfahren)
Die Schlagwerkbohrung ist ein Bohrverfahren der schlagenden Gesteins- bzw. Bodenzerkleinerung, bei dem die Materiallösung primär durch wiederholte Schlagenergie und nicht durch kontinuierliches Schneiden erfolgt. Ein Bohrwerkzeug wird zyklisch gehoben und fällt bzw. schlägt auf den Bohrlochgrund, wodurch das anstehende Material gelockert, zertrümmert und der Bohrlochquerschnitt schrittweise vertieft wird (Abteufen in Teilschritten). Der Bohrklein-Austrag erfolgt periodisch und ist verfahrensabhängig (z. B. Fördern, Spülen oder mechanisches Ausräumen). Das Verfahren wird in geologisch anspruchsvollen Situationen eingesetzt, in denen eine schlagende Zerstörung des Untergrunds für das Bohrziel (z. B. bestimmte Festgesteinsbedingungen) zweckmäßig ist.
Schneckenbohrung (Auger Drilling, Trockenbohrverfahren)
Die Schneckenbohrung ist ein drehend schneidendes Trockenbohrverfahren, bei dem eine Bohrschnecke (Auger) den Boden löst und das Bohrgut über die Schneckenwendeln zur Oberfläche fördert. Beim Abteufen wird die Schnecke rotierend in den Untergrund eingebracht; das gelöste Material wird auf den Wendeln nach oben transportiert, an der Oberfläche abgestreift und abgeführt. Die Bohrung wird durch fortlaufendes Drehen, Nachsetzen und ggf. Gestängeverlängerung bis zur Zieltiefe vertieft, wobei der Bohrgutaustrag in geeigneten Lockergesteinen quasi kontinuierlich erfolgen kann. Schneckenbohrungen werden vor allem in Lockergestein eingesetzt, wenn ein einfacher mechanischer Austrag ohne Spülung vorgesehen ist und die Bohrlochstandsicherheit über Baugrundstandfestigkeit oder ergänzende Sicherungsmaßnahmen (z. B. Verrohrung) gewährleistet wird.
Trockenbohrung (ohne Spülung, mechanischer Bohrgutaustrag)
Die Trockenbohrung ist ein Bohrverfahren ohne Einsatz von Bohrspülung, bei dem der Baugrund mechanisch gelöst und das Bohrgut über das Werkzeug aufgenommen und zur Oberfläche gefördert wird (z. B. durch Ziehen/Hochziehen, Kübel-/Greifer oder Schneckenförderung – abhängig vom Gerätekonzept). Da ohne Spülungsdruck und ohne spülgestützte Stützwirkung gearbeitet wird, wird die Bohrlochwand zur Sicherung häufig direkt bzw. fortlaufend verrohrt (Verrohrung als Bohrlochstützung). Die Trockenbohrung wird u. a. im Brunnenbau und bei Bohrungen eingesetzt, bei denen ohne Spülwasser gearbeitet werden soll und die Bohrlochstandsicherheit über Verrohrung und passende Abteufparameter (Drehzahl, Vorschub, Werkzeugwahl) hergestellt wird.